Donnerstag, 27. November 2014

Hakuna Matata..

1 Federn.

... its our problemfree philosophy

Wir sind Meister darin uns zu belügen, zu leugnen und Tatsache einfach zu ignorieren. Wir blenden aus, dass es mit der Gesellschaft immer weiter den Bach herunter geht, geben uns mit Antworten zufrieden, die eigentlich gar keine sind und vergessen immer wieder, dass alles endlich ist. Wir denken nicht darüber nach, wie schnell unser Leben vorbei sein kann und leben einfach vor uns hin. Aber manchmal treffen uns die Wahrheiten wie Faustschläge ins Gesicht, weil plötzlich auffällt dass irgendwas schief in dieser Welt läuft, irgendjemand in unserem Umfeld verstorben ist oder uns einfach in einer schrecklich, durch Alkohol verursachten, melancholischen Phase bewusst wird, dass wir eben doch nicht ewig auf der Erde weilen. In einem Hauch von Euphorie beschließen wir dann, dass wir etwas ändern werden, dass wir endlich beginnen zu leben und dieses auskosten möchten. Ich frage mich, was leben überhaupt noch bedeutet? Für mich momentan, es von Wochenende zu Wochenende zu schaffen, irgendwie meinen Alltag und mein Abitur zu bewältigen. Ich weiß nicht mal mehr warum. Vielleicht weil es für meine Familie immer eine Selbstverständlichkeit war, dass ich diesen Abschluss mache und danach studiere, vielleicht weil ich es einfach hingenommen habe und mich dort hinführen ließ. Ich habe es nie in Frage gestellt, nie darüber nachgedacht. Dabei hab ich mir immer ein bunteres Leben vorgestellt, stelle mir immer noch eines vor. Ich würde so gerne hinschmeißen, die Welt sehen, fremde Kulturen erleben, mich an (und in) unterschiedlichsten Orten verlieben, Barfuß durch den Regen auf warmen Sommerstraßen gehen, nackt im kanadischen Schnee liegen und nachts betrunken in Schwimmbäder und Schrebergärten einbrechen. Ich würde so gerne mal, bei Laternenlicht auf einem See Schlittschuhlaufen, Dinge tun, ohne mich zu fragen welche Konsequenzen sie haben können, einer wildfremden Person sagen, dass sie wunderschön ist und dass ich sie liebe. Ich möchte mich in ein Taxi setzten, um dem Fahrer zu sagen, dass er einem Auto folgen soll, mich betrinken und morgens irgendwo aufwachen, mit dem Gefühl die Nacht meines Lebens hinter mir zu haben, zu wissen, dass ich lebe. Und trotzdem schreibe ich all dies im Konjunktiv, weiß ganz genau dass nicht einmal die Hälfte davon wirklich tun werden, weil ich vernünftig sein muss - weil es die Gesellschaft so verlangt. Es gehört sich nicht, schlicht und ergreifend nicht, weil die Mehrheit es sich nicht traut. Anderssein ist ungewohnt, ungewohnt sein ist seltsam. Es ist doch ein komisches System, nachdem wir leben und vor allem eines, in dem wir vergessen, was das überhaupt bedeutet. Ich finde es furchtbar, dass Kinder im Alter von fünf Jahren schon gezielt darauf abgerichtet werden zu lernen. Damals bin ich noch durch unseren Wald gerannt, hab mir meine Knie blutig geschürft, deshalb kurz Rotz und Wasser geheult, bin direkt danach aber gleich wieder weiter durchs Gebüsch gelaufen. Es war für mich und meine Geschwister normal, im Garten oder anliegenden Wald zu spielen, meine Mutter musste damit leben, dass unsere Klamotten voller Grasflecken und Schmutz waren, dass wir aussahen als hätten wir uns tagelang nicht gewaschen und ich muss heute mit den ganzen, blassen Narben an meinem Beinen und Armen leben. Während meiner Kindheit habe ich mir meinen Fuß, Arm und meine Nase gebrochen (Okay, die Nase hat mir meine große Schwester gebrochen, aber das leugnet sie bis heute. Deshalb bin ich offiziell mit dem Kopf gegen eine Metallstange gerannt), habe in der Adventszeit unseren Teppich in Brand gesetzt, die Fische in unserem Aquarium geangelt und meiner kleinen Schwester einen Haarschnitt verpasst, der meiner Auffassung nach der letzte Schrei war. Was ich damit sagen will, ist dass ich damals gelebt habe. Dass ich an meine Kindheit denke, wenn ich mir die Narben ansehe und lächele. Das Leben hinterlässt nun mal Spuren, wir sollten uns nicht in Watte packen, nur weil wir Angst haben zu fallen. Ich möchte nicht damit sagen, dass es gut ist wenn Kinder einem beinahe die Wohnung abfackeln oder sich sämtliche Körperteile brechen, aber ich finde man sollte ihnen erlauben sich auszuleben, die Knie aufzuschürfen und draußen zu sein, lernen können und müssen sie später noch genug. Auch ich werde weiter lernen, mein Abitur machen, es ist immerhin nach gesellschaftlicher Ansicht vernünftig, aber dann bin ich erstmal weg. Dann leb ich erst mal mein Leben, werde nach Kanada gehen und mich nackt in den Schnee legen, in England irgendwelchen Menschen sagen, dass sie wunderschön sind und in Italien nachts einfach Schwimmen gehen. Ich werden mein Leben so leben, dass ich auch dann lächele, weil ich Narben habe, weil ich vom Leben gezeichnet bin. Ich werden meinem Enkeln die Narben zeigen, die ich beim Blutsbrüderschaft schließen erhalten habe, werde ihnen erklären, warum in meinem Knöchel ein Stück fehlt und weshalb es gut ist, sich das Herz auch einmal brechen zu lassen. Ich möchte Geschichte erzählen, um mich daran zu erinnern, wer ich einmal war und ich möchte nicht bereuen, dass ich One-Night-Stands hatte, betrunken durch die Straßen gerannt bin und auf Konzerten war, dass ich gelebt habe. Denn das ist der Sinn des Lebens: Leben.

Samstag, 31. Mai 2014

Zeitlos.

2 Federn.
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Er öffnet die Augen, halbgeschlossen und blinzelt durch den Rauch seiner Zigarette hindurch. Wie durch Nebel erkennt er die hastenden Menschen, die mit scheinbar versteinerten Mienen vorübergehen. Den Blick gerade ausgerichtet, nur auf sich selbst achtend, darauf bedacht, keine Zeit zu verlieren. Denn Zeit haben sie nicht. Zeit, hat in dieser Welt niemand mehr und wenn doch, dann soll sie sinnvoll genutzt werden. Doch was bedeutet das schon, sinnvoll? Sie nicht zu verschwenden, vermutlich. Er verzieht bei diesem Gedanken fast schon angewidert das Gesicht und nimmt erneut einen Zug seiner Zigarette. Dann schließt er die Augen. Das tun sie doch alle. Die Augen verschließen, vor Leid, Elend, Andersartigkeit. Diese Gesellschaft ist eine eisige geworden. Manchmal kommt sie ihm fast so kalt vor, wie die Mauer an welcher er lehnt.
Scheinbar mittendrin und doch ganz außerhalb.
Er passt nicht in das Bild dieser grauen Straße, voll von Anzügen und maskenhaften Gesichtern die zu Grimassen verzerrt sind, in diese Ruhelosigkeit und Hast. Er, mit seiner Zigarette in der Hand, der zerschlissenen Jeans und den bunten Knöpfen, wirkt zwischen alledem ganz fremd, ganz falsch. Und trotzdem hat es etwas Passendes. Es ist beinahe so, als sei er das einzig Beständige in dieser Straße. Es kommt es ihm immer wieder so vor, als würde all das einfach an ihm vorüber ziehen. Als befände er sich abgeschlossen von alle dem hinter einer Wand aus Glas, die nichts nach Innen und nichts nach Außen dringen lässt. Die Menschen gehen wortlos an ihm vorüber, er lässt sie wortlos ziehen. Sie haben doch keine Zeit sich zu unterhalten. Zeit hat doch niemand mehr. Vielleicht ist das aber auch einfach nur eine Ausrede. Eine Ausrede um sich nicht beschäftigen zu müssen, mit den Problemen anderer. Seufzend wirft er seine Zigarette zu Boden und löst sich von der Wand. Vielleicht muss man sich Zeit dafür nehmen, sie erst zu verschwenden. Denn was bedeutet das schon, verschwenden?


Ich bin wieder da. Ich lebe. Und ich weiß, es ist nicht einer meiner besten Texte, aber ich will diese Idee schon ewig festhalten. Seitdem dieses Gedicht in meinem Kopf entstanden ist. Bald kommt wieder mehr, versprochen. Ich liebe euch. ♥

Sie hetzen durch die Gassen,
mit lächelnden Grimassen,
stetig Masken tragend,
immer nach der Zeit fragend.

Was kümmern sie die Leute,
die im Dreck sitzende Meute?
Was sorgt sie deren Leid,
das Mädchen zerrissenem Kleid?

Sie bleiben nie stehen,
können am Kummer vorüber gehen.
Geworden sind sie stumpf,
vom Nichts fühlen dumpf.

Egoismus bestimmt ihr Leben,
Geld steht daneben.
Sie folgend nur ihren Gedanken,
unsere Gesellschaft gerät ins Wanken.

Immer nur funktionieren sie,
halten nicht inne, nie.
Und sie hetzen durch die Gassen,
mit gierigen Grimassen.




Montag, 26. August 2013

Illusion von Glück.

3 Federn.

Bewegungslos liege ich im Gras, den Blick auf den runden, vollen Mond gerichtet. Obwohl ich weiß, dass er unendlich weit weg ist, scheint er mir plötzlich ganz nah. Als müsste ich nur die Hand nach ihm ausstrecken, um ihn berühren, vielleicht sogar greifen zu können. Doch als ich sie hebe, fassen meine Finger ins Nichts. Sie halten nur Leere. Leere, wie auch schon lange in mir herrscht. Ich fühle kaum noch etwas neben der Einsamkeit. Nicht einmal mehr das Gefühl zu fallen, welches mich so lange begleitete, habe ich. Ich schwebe vielmehr. Ich schwebe zwischen Vergangenheit und Zukunft, irgendwo in der Gegenwart. Der Wunsch am Boden zu zerschellen oder endlich aus dieser endlosen Leere gezogen zu werden, ist verblasst. Wie alles andere auch. Es scheint mir, als seien jegliche Dinge unfassbar weit entfern von mir, als befänden sie sich in einer ganz anderen Welt. Eine Welt, die für mich nicht mehr erreichbar ist, wenngleich sie direkt vor meinen Augen liegt. Ich sehe wie durch eine gläserne Wand auf sie und bin dennoch von ihr abgeschlossen. Vielleicht könnte ich diese Wand ganz einfach durchbrechen, vielleicht hat sie auch irgendwo noch eine offene Tür, durch die ich nur gehen müsste. Doch ich habe es aufgegeben, nach einem Ausgang zu suchen. Außerdem habe ich Angst vor ihr. Immer, wenn einen Schritt in diese Welt wage, mache ich zwei zurück hinter die Wand. Sie hat mich Stück für Stück, mit jedem neuem Schritt kaputt gemacht. Und nun, habe ich so viele Risse bekommen, dass ein weitere mich wohl zerstören würde. Stumm flüstere ich mir zu, dass ich nicht zerbrechen werde. Stumm sage ich mir, dass irgendwann alles heilt, dass ich stark bin. Der salzige Geschmack auf meiner Zunge aber, lässt mich wissen, dass ich lüge, dass ich mich an etwas festhalte, das nicht existiert. Ich halte mich, an dieser kleinen Welt in meinem Kopf fest. Diesen kleinem Ort, den ich mir geschaffen habe. Mein Universum, im welchem ich mich immer mehr verliere. Wo der Mond greifbar ist, die Sterne ganz nah. Wo nicht mehr schwebe oder falle, sondern lebe. Es ist diese kleine Welt, in der für mich alles gut ist. Ich halte mich an ihr. Meiner winzigen, eigenen Welt. Meiner Illusion von Glück.

Dienstag, 30. Juli 2013

1 Federn.
"Zwischen dir und mir steht die ganze Welt... und weil du ferner bist als... weil es nie sein wird, deshalb wage ich... dich zu lieben. Ich liebe dich, ich liebe dich so sehr, wie ein Mensch zu lieben fähig ist." 
- Magierlicht.  

Sonntag, 14. Juli 2013

Take care.

10 Federn.

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Es ist normal, dass Menschen sich verändern. Manche mehr, andere weniger, positiv oder eben auf eine schlechte Art und Weise. Aber eigentlich können wir das gar nicht beurteilen. Wir können nicht wissen, ob ein Mensch sich zum Guten oder Negativen gewandelt hat. Denn es kommt  gar nicht darauf an, sondern viel mehr, ob wir mit der Änderung klar kommen. Ob wir das neue Ich akzeptieren oder uns zu  sehr an das alte klammern. Ich persönlich mag es nicht. Das, was aus dir geworden ist. Es kam schleichend, schleichend mit ihr. Sie hat dich verändert, sie hat aus dir einen nahezu vollkommen anderen Menschen gemacht. Wenn ich mich zurück erinnere, erkenne ich dich kaum wieder. Du bist nicht mehr der Mann, der auch mal daheim blieb, dem es nichts ausmachte, wenn es hin und wieder chaotisch war und vor allem auch nicht mehr der Mann, den ich seit ich klein  bin kenne. Es tut weh, unsagbar. Ich vermisse deine Umarmungen. Wann hast du mich das letzte Mal wirklich im Arm gehalten, mir gesagt, dass du mich lieb hast? Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, weiß schon gar nicht mehr, wie sich das anfühlt. Aber du hast immer gut gerochen, etwas nach Maschinenöl und der wundervolle Duft von Wald heftete an dir. Heute überdeckst du das immer wieder, mit irgendeinem Parfüm. Vielleicht ein Duft von HugoBoss. Es ist nicht so, dass ich diesen Geruch nicht leiden könnte. Ich mag ihn, aber er riecht nicht nach dir. Weißt du denn noch, wie es ist, mich im Arm zu halten? Das kleine Mädchen, das du immer „Schätzchen“ nanntest? Weißt du auch noch, wie ich immer früh aufstand um mich dann vor die Tür zu setzen, damit du mich mit zur Arbeit nahmst? Jedes Mal wenn ich zu spät kam, habe ich geweint. Ich saß schluchzend vor der Türe und wartete darauf, dass du wieder kommst.  Irgendwann kamst du aber nicht mehr. Ich war die letzte, die das Begriff. Weil ich dich nicht gehen lassen wollte. Ich habe dich noch nie gehen lassen wollen. Ich war immer gerne bei dir, habe es geliebt dir einfach nur beim Arbeiten zu zusehen. Doch heute, scheine ich für dich Luft zu sein. Ich komme, du gehst. Manchmal bist du einfach weg, ohne dich zu verabschieden. Dann sehe ich lediglich mit an, wie der schwarze, elegante Mercedes aus der Einfahrt rauscht und sie neben dir sitzt. Habe ich denn dort kein Platz mehr? Habe ich überhaupt keinen Platz mehr in deinem Leben? Ist es, weil ich nicht mehr wie das kleine Mädchen wirke? Das täuscht. Ich bin doch noch immer ein kleines Mädchen, irgendwo in mir drin. Ein kleines Mädchen, das lächelnd alles was du tust hinnimmt und darauf hofft, dass du sie irgendwann wieder bemerkst. Und eines, das sich nach deinen Armen sehnt, nach dem Geruch von Wald, danach als Schatz bezeichnet zu werden. Dem man sagen noch sollte, dass man es liebt. Ich wünsche mir doch eigentlich gar nicht viel. Ich will dich nur zurück. Nur einen kleinen Teil von dir. Ich möchte doch nur meinen Vater wieder haben. Bitte. 

Dienstag, 2. April 2013

Who I am?

6 Federn.


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Manchmal frage ich mich, wer dieses Mädchen ist, das mir so emotionslos entgegen blickt; was in ihren Gedanken vorgeht. Sie sieht mich einfach nur an, mit leerem Blick. Vielleicht schaut sie auch durch mich hindurch, vielleicht nimmt sie mich gar nicht war. Aber ich tue es. Ich starre sie jedes Mal förmlich an, erblicke jedes Detail. Sie kommt mir bekannt vor, doch woher kann ich nicht sagen. Ihre Augen sind von einer seltsamen Farbe, sie ist wohl nicht definierbar. Hin und wieder tauchen grüne Sprenkel in dem Farbenspiel ihrer Iris auf.  Unter ihren Lidern zeichnen sich dunkle Schatten ab, die auf ihrer hellen Haut noch kräftiger scheinen. Ich frage mich, ob sie nicht genug Schlaf bekommt oder ob sie das Leben so sehr gezeichnet hat.  Ich möchte wissen, was in ihr vorgeht, verstehen warum sie so unecht wirkt.
Ihre Mimik scheint unbeweglich, wenn sie mich so ansieht. Es wirkt fast schon so, als hätte sie eine Maske auf. Nur das gelegentliche Zucken ihrer Mundwinkel verrät, dass es nicht so ist. Manchmal habe ich das Gefühl, einen stummen Schrei in ihren Augen zu erkennen, verborgene Tränen darin zu sehen.
Sie sieht nicht glücklich aus, vielmehr müde und erschöpft. Vielleicht ist sie erschöpft vom Leben, erschöpft davon sich hinter dieser Maske zu verstecken. Warum sie sich versteckt, begreife ich nicht. Auch nicht, warum sie, kurz bevor sie geht immer wieder lächelt. Es wirkt nicht echt, dieses Lächeln und doch liegt darin diese eine Sache. Es ist, als wolle sie sich Hoffnung machen. Hoffnung darauf, dass irgendwann alles gut wird.
Ich frage mich, wer dieses Mädchen ist. Tag für Tag und dann, wenn ich mich vom Spiegel abwende, weiß ich es plötzlich wieder.

Dienstag, 26. März 2013

fucking empty.

1 Federn.
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Ich habe lange nicht mehr geschrieben, eine Ewigkeit. Ich weiß.
Vielleicht tut es mir leid, vielleicht ist es mir aber auch einfach egal.
 Ich möchte ehrlich sein;  Ich habe darüber nachgedacht, das alles hier zu beenden, es sein zu lassen.  Das Schreiben beiseite zu legen, es aufzugeben. Einfach, weil  jeder Text den ich in den letzten Wochen begonnen habe, kein Ende hat. Nicht, weil ich die Worte nicht habe. - Im Gegenteil, es sind gerade diese, die mir immer zuerst einfallen. Aber das dazwischen, der Inhalt fehlt. 
Was ich schreibe, fühlt sich für mich leer an, fühlt sich falsch an.
Irgendwie kann ich das alles hier aber nicht wegwerfen, kann nicht Abschied nehmen. Ich habe früher so oft geschrieben, aus meinen Launen heraus. Es war mein Ventil, war das, was mir geholfen hat anderes zu vergessen. Vielleicht geht es mir jetzt zu gut, als dass ich schreiben kann. Doch wenn ich so darüber nachdenke, hat sich nicht viel geändert. Vermutlich lernt man lediglich, mit dem was einem stört umzugehen, lernt damit zu leben. Es ist einfacher, wenn man Fehler akzeptiert.
 Vielleicht flüchte ich mich heute zu selten in diese Welt aus Fiktion, manchmal frage ich mich sogar, ob sie noch für existiert. Diese Welt, in der alles gut war, in der ich mich wohl gefühlt habe. Diese Welt, welche ich mit dieser einen Person verbinde. Die einzige, die mich doch manchmal wieder dorthin bringt. Dann, wenn wir von solchen Sachen wie dem orangen Mond sprechen, dann wenn wir diese ganzen sinnlosen Dinge sagen. Dann, wenn ich eigentlich grundlos lache, wenn ich vergesse, dass es da noch eine andere Welt gibt. Diese Momente sind selten geworden, nicht ganz verschwunden, aber selten.
 Letztlich hat sich doch was geändert, habe ich mich geändert. Und im Endeffekt tut es mir leid, im Endeffekt ist es mir nicht egal. Ich werde wieder schreiben. Irgendwann. Versprochen. 

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Get out!

3 Federn.
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Wie ein schriller Schrei, hallt dieses Gefühl durch ihren Körper und will nicht verklingen. Es zieht sich schmerzhaft scharf, gleich der Klinge, welche vor ihren Augen liegt, durch jeden Winkel ihres Leibes, lässt diesen immer und immer wieder unter einem Schaudern  erbeben.
Schluchzend zieht sie die Beine an, presst die Hände gegen ihren Kopf, als könne sie so, die Stimme in ihr zum Schweigen bringen. Aber diese wird nicht still, spricht immer weiter. Es sind unschöne Worte; grausame Gedanken.

Sie haben dir wehgetan, klingt es durch ihren Kopf. Du hast nichts Schlimmes gemacht, du hast ihnen lediglich den Schmerz zurückgegeben. Das haben sie verdient. Alle haben sie es verdient!

Sie will das nicht hören, schüttelt unwillkürlich den Kopf. Doch diese Worte zerren an ihr, zerfressen sie von innen heraus. Sie fühlt sich leer; unvollständig. Es scheint so, als hätte man ihr jegliche Emotionen genommen und ihr stattdessen dieses schreiende Gefühl gegeben, ihr diese flüsternde Stimme geschenkt. Doch das Mädchen wollte nie auf diese hören, wollte sie ignorieren. Sie wollte nur, dass sie still ist, dass sie aufhört diese Dinge zusagen. Schließlich hatte sie nachgegeben, in der Hoffnung, dass diese Gedanken dann aufhören, dass die Stimme endlich schweigt.
Und nun liegt sie hier, in Mitten der Totenstille. Ihr blondes Haar ist von Blut verklebt, ihr Kleid davon durchtränkt. Vor ihren Augen, blitz ein Messer auf und das Metall spiegelt verzerrt ihr verzweifeltes Gesicht. Alle hat die Klinge zum Schweigen gebracht, nur die Flüsternde Stimme nicht.
Sie schreit jetzt.




Sonntag, 30. September 2012

What if this world wouldn't be half so paranoid? // Fuck it. That's life.

12 Federn.
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Da ist sie wieder.  Diese ohrenbetäubende Stille. Begleitet von der Leere. Da ist nichts, was ich aufschreiben kann. Gar nichts. 
Dabei waren sie gerade noch da; all die Worte und alle wollte ich sie einfangen. Vielleicht gibt es Dinge, die man nicht niederschreiben sollte. Vielleicht waren diese Gedanken nicht dafür bestimmt.  - Wie bei Träumen. Manche sind nach dem Aufwachen einfach fort, wir erinnern uns nicht mehr daran. So schön sie auch waren. Dann ist es nicht mehr als als Ahnung, dass wir geträumt haben.
  Habe ich dir eigentlich schon gesagt dass ich dich vermisse? Nein. Aber ich tue es, ja wirklich. Jetzt, heute, immer. Denkst du an mich? Erinnerst du dich überhaupt noch an das kleine Mädchen hier? Oder bin auch nur noch wie ein Traum? Bitte sag nein. Bitte sag, dass du mich nicht vergessen hast. Du fehlst mir.
Es gibt da dieses Loch. Ich habe Angst davor. Weil es dunkel ist. Ich mag die Nacht, aber nur wenn Sterne am Himmel sind. Oder der Mond. Warum sieht dieser eigentlich weiß aus? Und wer hatte überhaupt die Idee dass es den Mondmann gibt? Gibt es ihn?
  Das Loch ist nicht tief, eigentlich ist es nicht mal mehr eine Kuhle. Ich möchte etwas darin vergraben. Einen Schatz. Aber wie soll ich das anstellen, wenn er nicht greifbar ist? Er ist so weit weg. Vielleicht existiert er nicht. Ich habe keine Angst davor zu fallen, das ist okay. Ich möchte lieber fliegen. Ob Vögel überhaupt zu schätzen wissen dass sie das können? Oder wünschen sie sich etwas anderes? Haben Vögel überhaupt Wünsche?
  Und was ist mit der Liebe? Diesem verdammten Gefühl, von dem alle sprechen, wie wundervoll es doch sein kann? Soll man daran glauben, oder die Menschen auslachen? Am Ende heulen sie doch eh alle, oder? Können Gefühle einfach so verschwinden? Puff und weg? Vielleicht hat sich das Wort auch einfach nur zu schnell abgenutzt. Und woher weiß man überhaupt was Liebe ist? Definiert das nicht jeder anders?
 Wir gehen leicht fertig mit Worten um. Dabei können diese so viel zerstören und bedeuten. Vermutlich sollten wir besser darauf aufpassen, was wir sagen. Aber tut doch eh keiner. Warum dann erst damit anfangen?
Haben wir uns eigentlich verändert? Ich meine Du und Ich? Entschuldigung, dann habe ich mich nicht von dir verabschiedet. Deinem altem ich; meinem alten ich.  Vielleicht sind wir ja erwachsen geworden. Erwachsen. Hat man früher nicht immer davon geträumt? Fuck. Es sind nur noch zwei Jahre und 5 Tage, dann bin ich es offiziell. 18. Und dann? Tja, soll ich feiern, wie alle es tun oder? Mich besaufen und Sau raus lassen, bevor das Leben ernst wird. Aber ist Kind sein nicht viel schöner? Ich glaube ja.
  Was mache ich hier überhaupt? Was wird das hier für ein beschissener Text? Wollte ich anfangs nicht irgendeine Geschichte hin tippen? Ich glaube, ich bin übermüdet. Ich sollte nicht mehr um diese Uhrzeit versuchen meine Gedanken festzuhalten. Kommt nur Müll dabei raus. Und wenn ich morgen dann sehe, was ich geschrieben habe, wird das so ein kleiner Moment, der mich über mich selbst lächeln lässt. Man bin ich dämlich. Scheiß drauf. Liest vermutlich eh keiner bis hier her, weil ihr alle auf eine Geschichte wartet. Eine Geschichte, die schon in meinem Gehirn vor sich hin wächst. Ich könnte euch verraten was die letzten Sätze sein werden. Meine Geschichten beginnen immer mit den letzten Sätzen. Bevor ich den Anfang habe, weiß ich wie sie endet. Ironie.
  Ich glaube, ich möchte dass es regnet. Ich mag regen. Er hat so etwas Beruhigendes. Ich sehne mich gerade nach Ruhe. Vielleicht sollte ich ihn mir aufnehmen, um ihn dann auf dem iPod anzuhören. Mein iPod. Der gammelt auch nur noch in einer Ecke. Ich höre keine Musik mehr. Selten. Es ist oft still. Ohrenbetäubend still.
Nein. Mir geht’s gut. 

Samstag, 11. August 2012

Vom orangenem Mond...

5 Federn.
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Wir liegen beide im Gras, es ist still, lediglich ein paar Grillen zirpen ihre Lieder in die Dunkelheit. Ein sanfter Wind trägt sie dann fort, weit in die Welt. Zwischen uns herrscht Schweigen, aber es ist kein unangenehmes, vielmehr eines um diesen Moment nicht zu zerstören. Ich betrachte den Mond, voll und rund lässt er die Nacht etwas heller erscheinen. Ich frage mich an was du denkst, frage mich, ob ich dich jemals verstehen werde. Für mich scheinst du en Buch zu sein. Ein Buch welches in einer fremden, aber wundervollen Sprache verfasst wurde. Plötzlich lachst du, leise und unbestimmt. Ich drehe den Kopf, um dich anzusehen, „Was?“
„Der Mond ist orange“, sagst du, vollkommen überzeugt. Ich sehe wieder zum Himmel und kichere, „Orange? Sicher? Was hast du genommen?“
„Nichts, das ist so!“, du bist ernst, so sehr, dass ich mich beinahe erschrecke. Ich schließe meine Augen, beginnen wieder leise zu Lachen, „Wenn er verschwindet, sag mir Bescheid, dann rufe ich einen Arzt“ Ich registriere wie du dich aufrichtest, eine kurze Bewegung gefolgt von einem leichten Luftzug. Immer noch halte ich die Augen geschlossen, ich halte dich nicht für verrückt. Auch nicht für seltsam. Es ist viel mehr Bewunderung, weil du manchmal Dinge siehst, die kein anderer Wahrnimmt. Vielleicht siehst du mehr als die Menschen, oder du siehst es anders. Vermutlich sogar beides.
„Lachst du mich aus?“, fragst du. Ich kann nicht heraus hören ob in deiner Stimme Wut liegt, aber ich hoffe dass es nicht so ist. Ich würde es nicht ertragen. Vielleicht müsste ich dann auf Knien um Verzeihung bitten, oder ich würde dich solange nerven bis du mir vergibst.  Ehe ich antworten kann sprichst du weiter, „Ich bilde mir das nicht ein!“
Schließlich öffne ich die Augen und lächele, „Jetzt sehe ich es auch. Ein oranger Mond, wie außergewöhnlich!“ Ich lüge nicht, warum sollte ich? Ich beginne mit einem Grashalm zu spielen und betrachte wie dieser im Mondlicht schimmert. Immer wieder drehe ich ihn herum, ohne jeglichen Sinn. Deine Stimme ist es, welche mein Tun unterbricht. Mittlerweile hast du die Knie angezogen und schlingst die Arme darum. Ich mustere dich erneut, deine Haut erscheint unglaublich weiß in der Nacht und in deinen Augen spiegelt sich der Himmel. Ich lache leise, als mir ein Gedanke in den Sinn kommt, „Vielleicht streicht der Mann im Mond seine Wände?“
Du beginnst zu kichern, „Es muss doch langweilig sein, immer einen weißen Mond zuhaben! It’s Party time!” Nun richte ich mich auch auf und betrachte den orangenen Mond. Sein Bild brennt sich förmlich in meinen Kopf und ich schwöre mir, dass ich diese Unterhaltung nie vergessen werde. Wie all die anderen Dinge, welche ich mit dir verbinde. Ich werde sie behüten, denn auch wenn es nur Worte sind, Worte ohne jeglichen tieferen Sinn, so ist jedes einzelne ein Schatz. Jede Erinnerung ist so kostbar für mich,  dass ich sie am liebsten einschließen möchte. Aber nicht in einer dunklen Truhe, nein an irgendeinem schönen Ort. Mit Blumen, und Schmetterlinge. Wo man die Wolken schmecken und das Leben riechen kann. Vielleicht werden wir irgendwann so einen Ort finden, aber solange wir noch hier sind, werde ich auf die Erinnerungen aufpassen. Ich werde sie mir nicht nehmen lassen, von Niemanden.
„Warum lädt er uns dann nicht ein?“, frage ich  beinahe ernst, „Vielleicht feiert er auch nur mit den Aliens. Was für Musik hören Aliens?“
Ich sehe dich nicht an, aber ich kann höre dass du grinst, während du antwortest. „Wahrscheinlich sind die Briefmarken zu teuer, um die Menschen auf der ganzen Welt einzuladen“
Ich nicke Verständnis voll, „Ja, es muss teuer sein auf dem Mond zu feiern“ Mir ist klar wie Sinnlos diese Unterhaltung ist, und trotzdem könnte ich mich die ganze Nacht mit dir darüber unterhalten. Über den orangen Mond und die Feier. Vermutlich könntest du mir noch so viel erzählen, es würde nicht langweilig werden. Aber für heute Nacht bleiben wir einfach bei der Mondparty. Morgen wird es vielleicht eine Irrenanstalt sein und übermorgen erzählst du mir von den Wolken, die nach Zuckerwatte schmecken.

Herzchen, ich liebe dich.
 Ich weiß, du solltest eine schönere, eine bessere Geschichte bekommen. 
Verzeih. 

Samstag, 30. Juni 2012

Faces

17 Federn.

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Ich liege auf ihren Schoß, sie streicht mir sanft über den Kopf und ihre Hände zittern leicht. Schweigend starre ich an die Wand, suche auf dem sterilen Weiß einen Makel, einen Fleck, irgendetwas, an dem sich mein Blick festhalten kann, nur um nicht aufzusehen. Ich möchte ihr nicht ins Gesicht sehen,  nicht die Tränen, welche sie wegen mir vergießt, erblicken. Ich fühle mich schuldig. Schuldig, weil ich sie verletze, obwohl sie immer für mich da war. Auch jetzt ist sie hier, lässt mich nicht alleine. Wie immer duftet sie leicht nach Lavendel,  riecht so vertraut, so tröstend. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass sie jemals anders gerochen hat. Der Geruch schien zu ihr zu gehören, wie das gleichmäßige Pochen ihres Herzens. Es war beständig, vielleicht nicht für immer, aber zumindest für den Moment. Sie würde mich überdauern, auch da sein, wenn ich fort war. Denn mein Herz, ist anders als ihres, nur noch schwach, es ist nicht mehr, als ein leises Pochen. Wir wissen beide, dass es irgendwann verstummen wird. Ob Heute, ob Morgen, was spielt das für eine Rolle? Ich habe mich damit abgefunden, und werde warten. Es ist für mich kein Ende, nein, eher eine Erlösung. Mein Leben war ein einziger Kampf, und diesen Kampf habe ich nun verloren. Ich habe aufgeben. Vielleicht bin ich zu schwach um weiter zu kämpfen, vielleicht gehöre ich aber auch nur zu den Menschen, die sich keine falschen Hoffnungen machen. Wie auch immer, es war in Ordnung, ich hatte ein schönes Leben und ich sollte mich nicht beklagen. Also schließe ich schweigend die Augen, um mich herum herrscht Stille, die lediglich durch das Piepsen der Apparate durchbrochen wird. Gleichmäßig und hell hört man den Ton, immer wieder, unaufhörlich, bis zum Ende. Ich konzentriere mich wieder auf ihren Herzschlag, der beruhigend vor sich hin pochte.  Es scheint, als würde er immer lauter werden, mit jeder Minute die verstreicht. Schließlich, ist er ohrenbetäubend und ich öffne Ruckartig die Augen.  Langsam drehe ich den Kopf, um sie nun doch an zusehen. Ihre Wimpern sind von Tränen benetzt und doch ziert ihre Lippen ein Lächeln. Ich erwidere es leicht und folge mich dem Blick den Konturen ihres Gesichtes. Auch wenn ich sie schon mein Leben lang kenne, so möchte ich sicher gehen, dass ich sie nicht vergesse. Nicht das winzigste Detail, sei es eine Falte oder eine Narbe. Ihre Gesichtszüge sind sanft, in ihren Augen liegt diese Wärme, welche einem, egal was man tut, immer wieder begegnet. Diese bedingungslose Liebe, sie gibt mir keine Schuld. Ich bin ihr dankbar, für alles. Dankbar, dafür, dass sie immer da war und, dass sie mich immer aufgefangen hat wenn ich gefallen bin. Ich möchte ihr Gesicht nicht vergessen, niemals. Es war das erste war ich auf dieser Welt erblickte, und sollte auch das Letzte sein. Sie war meine Mutter. 

Dienstag, 5. Juni 2012

Dormez-Vous?

8 Federn.

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Sie sitzt da, die Knie angezogen, ihre Arme fest darum geschlungen. Zitternd atmet sie aus, presst ihren Körper eng gegen die Schrankwand. Ihre Mutter hört sie schreien, schmerzerfüllt, wimmernd. Sie beginnt zu weinen, schaukelt sanft hin und her. Leise fängt sie an zu singen, dass einzige Lied welches sie kann. Ihre Lippen hauchen bebend die Worte, immer wieder.

„Frère Jacques, Frère Jacques,
Dormez-vous, dormez-vous ?
Sonnez les matines, sonnez les Matines,
Ding, Dang, Dong, Ding, Dang, Dong“

Warum tut er das? Warum verletzt er Mama?

„Frère Jacques, Frère Jacques,
Dormez-vous, dormez-vous ?
Sonnez les matines, sonnez les Matines,
Ding, Dang, Dong, Ding, Dang, Dong“

Sind wir selbst schuld? Hat Papa uns nicht mehr lieb?

„Frère Jacques, Frère Jacques,
Dormez-vous, dormez-vous ?
Sonnez les matines, sonnez les Matines,
Ding, Dang, Dong, Ding, Dang, Dong“

Waren wir  so böse?
Plötzlich herrscht stillen, nur der ängstliche Gesang ihrer kindlichen Stimme ist zu hören. 
Ist es vorbei? Hat er Mama genug bestraft?
Sie singt weiter. Ein schmaler Strahl fällt durch den Schrank, als er das Licht  anschaltet. Sie hört ihn näher kommen. Ihr Herz schlägt unerbittlich gegen ihre Brust.

„Frère Jacques, Frère Jacques,
Dormez-vous, dormez-vous ?
Sonnez les matines, sonnez les Matines,
Ding, Dang, Dong, Ding, Dang, Dong“

Er öffnet die Tür, schaut auf sie hinab. In seinem Gesicht sind Spuren von Blut, sein Hemd ist rot. Schweigend geht er in die Hocke. Sie kauert sich mehr zusammen, traut sich nicht ihn an zu sehen. Seine Hand hebt ihr Kinn, sie ist kalt. Ängstlich kneift sie die Augen zusammen, als sich die eisigen Finger um ihre Kehle legen.
Was tut er?
Ihre Lippen formen weiter die Worte, von der Angst begleitet.

„Frère Jacques, Frère Jacques,
Dormez-vous, dormez-vous ?
Sonnez les matines, sonnez les Matines,
Ding, Dang, Dong, Ding, Dang, Dong“

Er drückt zu, erst sanft, dann immer fester.  Sie bekommt kaum noch Luft, kann nur noch flüstern. Über ihre Wange laufen immer noch Tränen, hinterlassen salzige Spuren auf ihrer Haut.
Vielleicht muss es so sein. Vielleicht ist es normal dass Väter ihre Familie verletzen?
Sein Griff schließt sich fester, sie verstummt und versinkt in vollkommener Dunkelheit. Es ist schön, beinahe so als würde sie in den Armen ihrer Mutter liegen.
Mama, bist du da? Papa hat dir wehgetan, nicht? Mir tut er auch weh. Gerade. Aber es ist okay, ich habe ihn trotzdem lieb. Warte auf mich, Mama, ich komme zu dir. Dann gehen  wir Spazieren im Park, so wie früher, ja? Und dann suchen wir die Steine, mit den schönen Mustern. Weißt du noch? Alles wird gut, so wie du es immer versprochen hast. 
Regungslos bleibt sie zurück, kein Herzschlag mehr, kein Atemzug. Man hört den Gesang weiter, jedoch kommt er nicht aus ihrer Kehle. Sie wird schweigen, für immer. Es ist die Stimme eines Mannes, eines verzweifelten Vaters. Begleitet von einem Schuss. Schließlich ist es wieder still in der Nacht. Keine Schreie, kein Weinen, kein Knall. Nur in der Luft hängen noch die Worte des Liedes.

Frère Jacques, Frère Jacques,
Dormez-vous, dormez-vous?
Sonnez les matines, sonnez les Matines,
Ding, Dang, Dong, Ding, Dang, Dong.



An dieser Stelle noch ein Dankeschön, an meine wundervollen, 26, Blogstalker. Ihr wisst vermutlich gar nicht wie glücklich ihr mich macht. 


Freitag, 4. Mai 2012

Wie Damals und doch ganz anders.

6 Federn.
via 

Der Wind weht mir meine Haare ins Gesicht, ich streiche mir eine Strähne beiseite und sehe dich an. Es ist fast wie früher, als  wir noch kleiner waren. Oft haben wir uns in dieses Kornfeld gesetzt und der Sonne beim Untergehen zugesehen. An deine Worte erinnere ich mich noch heute. Immer hast du „Wenn die Sonne untergeht, dann küsst sie die Erde“, gesagt und ich, ich habe dir jedes Mal Recht gegeben. Trotzdem, Früher war weit weg. Lange vergangen.
Ich möchte dich so vieles Fragen, dir so viel sagen, doch alles scheint im Moment unwichtig, bedeutungslos.
„Du hast dich verändert“, sage ich schließlich und lächle traurig.
„Mag sein“, du blickst mich an, deine Augen mustern mich. Mir fällt auf, dass sie noch immer so ein helles Blau haben, wie damals. Damals. Es schien eine Ewigkeit her zu sein. Ich lege mich hin und schaue in den rötlichen Himmel, die Wolken dort sehen aus wie eine kleine Stadt.
„Weißt du noch?“, um dich anschauen zu können  drehte ich den Kopf, „Wir haben immer die Wolken gedeutet.“
Du fängst an zu lachen und lässt dich neben mich sinken, „Wie könnte ich das vergessen!“
 Mit einem Finger zeige ich auf eine Wolke, direkt über meinem Kopf, „Diese dort sieht aus wie eine Blume.“
„Blume? Du bist verrück,  die ist ein definitiv ein Hund!“, das schiefe Grinsen kehrt auf deine Lippen zurück und ich merke, wie sehr ich es vermisst habe. Meine Hand fährt wie automatisch zu deinem Kopf, um dir durch die kurzen Haare zu wuscheln.
„Lass das!“, lachend hältst du sie fest, weiterhin in den Himmel starrend. Ich frage mich, an was du wohl denkst. Ob es dir wie mir geht, und du dich an unsere Kindheit erinnerst? Vielleicht daran, wie wir Ritter und Prinzessin gespielt hatten. Du, mein edler Ritter, welcher mich immer beschützt hatte, und ich die hübsche Prinzessin, die Blumenkränze flocht und dir haufenweise Tempos schenkte.
Als ich kichere siehst du mich an, „Was?“
„Mein edler Ritter?“, antworte ich. Mit dem Zeigefinger stupst du mir gegen die Stirn, das hast du früher oft gemacht. - Eigentlich immer. Du pflückst eine Blume und beginnst mich damit an der Nase zu kitzeln, „ Ja, holde Prinzessin?“
„Ich habe dich vermisst“, meine Worte sind ehrlich, voller Sehnsucht.
 Plötzlich wirst du still, deine Augen weichen meinen aus. Mit einem mal richtest du dich auf. Du starrst schweigend in die Ferne, ernst und regungslos. Ich möchte etwas sagen, doch über meine Lippen kommt kein Mucks. Ich bleibe stumm, und kann nichts anderes tun, als dich anzusehen. Langsam setzte ich mich hin, den Kopf lege ich auf deine Schulter. Ich kann deinen Herz schlag hören, wenn auch nur leise. Er gibt mir einen Augenblick lang das Gefühl, als wäre die Zeit stehen geblieben. Während du noch in die Weite siehst formen deine Lippen Worte, „Es ist so unfair, weißt du?“
„Du vermiss sie, nicht wahr?“, flüstere ich, traurig nickst du.
„Sie war meine kleine Schwester, natürlich fehlt sie mir!“, deine Augen glänzen. Ich ziehe die Knie an und stütze das Kinn darauf. Mir läuft eine Träne über die Wange, „Ich vermisse sie auch“
Du starrst immer noch geradeaus, schaffst es nicht mich anzusehen. Ich weiß, dass du  weinst.
„Meinst du, es tut weh?“, fragst du, wie aus dem nichts.
„Was?“
„Sterben“
 Ohne lang zu überlegenen kann ich dir antworten. Diese Frage hatte ich mir schon oft gestellt,  „Ich glaube nicht, ich glaube es ist wie… wie träumen“. Meine Hand ruht auf deiner Schulter und lehne mich vorsichtig wieder gegen dich. 
„Träumen?“, du lächelst. „Bestimmt hat sie sich gut gefühlt. Sie war immer eine Träumerin, wie du“
Ich nicke, dann spüre ich wie sich deine Hand um meine legt. Unsere Finger verschränken sich und wollen nicht mehr gelöst werden. Ich bewege mich nicht, genieße einfach nur deine Nähe. Lange sitzen wir so da, beobachten die Sonne beim Untergehen. Früher, schien auf einmal wieder ganz nah, nur dass es Jetzt war.
Ich öffne den Mund, will dir sagen, wie viel du mir bedeutest, wie sehr ich mich nach dir gesehnt hatte. Doch du schüttelst den Kopf, „Sprich es nicht aus“
„Warum?“, frage ich. „Willst du es nicht hören, weil du angst hast es würde etwas zwischen uns verändern?“
Du lächelst sanft und verneinst, „Ist nicht schon alles anders? Wir wissen es beide, wozu brauchen wir Worte?“
Ich folge deinem Blick, er geht ins Nichts. Schweigend sitzen wir da, trotzdem sagen wir uns viel. Alles scheint unwichtig, nur wir beide zählen. Bis die Sonne die Erde küsst. Es war wie damals und doch ganz anders.

Mittwoch, 2. Mai 2012

Träumen

0 Federn.
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Sie lag auf dem Boden ihres Zimmers, die Augen geschlossen, ein Lächeln auf ihren Lippen. In ihren Ohren rauschte Musik, wild und so laut, dass ihr Herzschlag schon lange davon kontrolliert wurde. Sie achtete weder auf die Melodie, noch auf den Text, träumte nur vor sich hin.
Da war eine Wiese, mit vielen Blumen und ein warmer Sommerwind wehte. Sie sah sich tanzen, hüpfen unbeschwert und leicht. Kein Kummer, keine Sorgen, einfach nur lachend. Ihre Haare flogen im Wind, ihr weißes Kleid flatterte mit ihrer Bewegung, in der Hand hielt sie eine Blume. Es war eine Lilie, so rot, wie die Sonne am untergehenden Himmel.
Der Geruch von Lavendel lag in der Luft und sie wollte sich am liebste hinein gleiten lassen. Dass sie allein war störte sie nicht, denn jenes war sie gerne. Fern ab, von allen Menschen. Sie hielt diese für falsch, verlogen und fand, dass die meisten verlernt hatten zu träumen. Dabei es doch das schönste auf der Welt einen Traum zu haben. Immerhin waren doch irgendwo alle Erfinder und großartige Menschen Träumer gewesen,  und alle wurden sie, von den anderen, fantasielosen Menschen ausgelacht. Aber heute, heute bewunderten man sie, allein für das was sie geschaffen hatten. Es sind unsere Träume, die das Leben erst lebenswert machen, das war zumindest ihre Meinung. Oft lag sie einfach nur da, starrte in den Himmel oder schloss die Augen,  immer die Bilder sehend, welche sie sich wünschte. Sie erschuf dann wieder aufs Neue, ihre eigene kleine Welt, ihr eigenes Wunderland. Und jedes Mal war es etwas anders, aber trotzdem eine Sache gemeinsam: Wenn sie dort war, fühlte sie sich gut.
Manche hätte sie als verrückt, oder seltsam bezeichnet, aber das war ihr egal. Sie war glücklich. 

Mittwoch, 11. April 2012

Nur ein dummes kleines Mädchen.

2 Federn.
Wen's interessiert: Ich bin die mit den braunen Haaren.

Die Tränen, welche über ihr Gesicht flossen, vermischten sich mit dem kalten Regen. Hier saß sie nun, wartend seit einer Ewigkeit, nass bis auf die Haut und zu tiefst verletzt.  
Er kommt nicht, diese Vermutung war mittlerweile schon zu sicheren Gewissheit geworden. Ein schluchzen ließ ihren Körper erben, während  ihr Blick wieder in die Ferne glitt, suchend nach einer Gestalt, einer Bewegung, in der Dunkelheit, irgendetwas.
Quälend ließ sie eine Frage nicht los, verdrängte alle anderen Gefühle, bis auf den Schmerz: War sie ihm so egal?

Ja, bestätigte die Stimme in ihrem Kopf, du bist nur das dumme kleine Mädchen, welches er seit seiner 
Geburt kennt.

Du bist nur das dumme kleine Mädchen, das er mal an der Hand genommen hat und sagte „Du bist 
meine beste Freundin.“

Du bist nur das dumme kleine Mädchen, das mit ihm in Sandkasten, auf der Wiese oder sonst wo gespielt hat.

Du bist nur das dumme kleine, naive, verträumte Mädchen, welches ihn immer wieder aufs Neue in ihre Welt entführt hat.

Du bist nur das dumme kleine Mädchen, das er seit 6 Jahren nicht gesehen und vermutlich vergessen  hat.

Ihr Blick glitt auf das Foto, welches sie mit beiden Händen umklammerte, es war vom Regen aufgeweicht und hier und da schon verschwommen, ein Bild aus ihrer Kindheit. Auch wenn die Konturen undeutlich waren, erkannte man zwei Kinder. Sie lächelte, dann war sie nun mal , nur das dumme kleine Mädchen, für ihn war sie es gerne. 

Nur das dumme kleine Mädchen, welches trotzdem hier sitzt und im Regen auf ihn wartet.





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Demnächst schreibe ich wieder eine fröhliche Geschichte, versprochen!




Das Bild stammt aus eigener Verwendung und darf nicht ohne meine ausdrückliche Erlaubnis weiter verwendet werden. 

Samstag, 24. März 2012

8 Federn.
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Menschen ändern sich. Erinnerungen bleiben. 
1 Federn.
via
 Träume sind wie Seifenblasen, schillernd und schön, aber irgedendwann zerplatzen sie.



Dienstag, 20. März 2012

0 Federn.
Das schlimme an Träumen ist, das Sie enden. Und dann folgt nur die Wirklichkeit.

Samstag, 10. März 2012

1 Federn.
and when people aks me
"why are you so weird?"

I never know what to say

but then I realized,
why would I be like THIS
when I could be like 
tthhiiisss??

Freitag, 2. März 2012

fliegen..

2 Federn.

via

Alles hier hatte sich verändert, selbst die riesigen, beständigen Felsen, so kam es ihr vor.
Und nun stand sie hier, allein und verlassen, ohne jede Ahnung was sie tun wollte.
Ganz einsam, starrte sie in die dunklen Tiefen des Abgrundes, vor ihren Füßen.
Sie schloss für einen Moment die Augen und lies die Erinnerung an ihre Kindheit, welche so weit fort schien, obwohl sie nur wenige Jahre zurücklag, ihre Gedanken durchfluten.
Damals war sie fast jeden Tag hier her gegangen, mit ihm. Sie waren unzertrennlich gewesen. Und jetzt?! Jetzt war er fort, für immer. Eine Krankheit hatte sein Leben zerstört und es ihm schließlich auch genommen.
Mit einem Mal schien es in ihr so leer, so leer dass sie Angst hatte sie würde sich in ihren eigenen Gedanken verirren, aber dann dachte sie an sein Gesicht, sein Lächeln, seine Augen, an ihn. Das Bild flammte vor ihrem inneren Auge auf, sie wollte danach greifen, es festhalten und nie wieder los lassen. Über ihre Wange rannen Tränen, Tränen der Trauer und der Verzweiflung. Warum? Fragte sie. Warum, hast du ihn mir genommen? Wem sie diese Frage stellte wusste sie nicht, vielleicht irgendjemanden, oder irgendwas, vielleicht auch sich selbst.
Er hatte doch noch so viele Träume gehabt und er hatte ihr doch versprochen dass er einen Traum, den welchen sie gemeinsam geträumt hatten, Wirklichkeit werden lies! Er hatte versprochen, dass sie fliegen würden, ganz frei und zusammen.
Jetzt konnte jedoch nur noch sie fliegen, sie allein.
Sie breitete die Arme aus und machte einen Schritt nach vorne, einen Schritt ins nichts. Doch für sie war es ein Schritt zu ihm, einer in die Ewigkeit. Irgendwas sagte ihr dass sie nicht allein war, sie flogen gemeinsam, Hand in Hand. 




*Danke an meine ♥-allerliebste Marie - Elena, die Korrektur gelesen hat <3 :*